Wer den eigenen Pornografiekonsum verändern möchte, braucht Orientierung: Welche Schwierigkeiten verdienen Aufmerksamkeit, und welche Unterstützung könnte helfen? Zwei neue Studien beleuchten diese Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven. Eine untersucht Jugendliche, die andere Erwachsene. Die Ergebnisse der Jugendstudie lassen sich nicht unmittelbar auf Erwachsene übertragen.
Die schwedische Untersuchung, veröffentlicht am 8. Oktober 2026 in Archives of Sexual Behavior, wertete Angaben von 3.106 Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren aus. Insgesamt 10,4 Prozent berichteten Schwierigkeiten, auf Pornografie zu verzichten oder den Konsum zu beenden. Bei Jungen waren es 18,8 Prozent, bei Mädchen 3,9 Prozent. Die Einordnung beruhte auf Selbstauskünften zu zwei Fragen, nicht auf klinischen Diagnosen. [1]
Jugendliche mit solchen Kontrollproblemen berichteten auch stärkere psychische Belastungen und größere Schwierigkeiten im Umgang mit Gefühlen. Die zwischen Dezember 2019 und März 2021 erhobenen Daten zeigen Zusammenhänge. Sie belegen nicht, dass Pornografiekonsum diese Belastungen verursacht oder welche Entwicklung zuerst eintrat. [1]
„Kurze, entstigmatisierende Informationen über problematischen Pornografiekonsum könnten Jugendlichen helfen, Schwierigkeiten früher zu erkennen und Unterstützung zu suchen“, schreiben Linda S. Jonsson und ihre Mitautorinnen und Mitautoren in der Studie (eigene Übersetzung). [1]
Für die medizinische Einordnung zählen anhaltende Kontrollprobleme sowie erheblicher Leidensdruck oder Beeinträchtigungen im Alltag. Dazu können wiederholt erfolglose Versuche gehören, das Verhalten zu reduzieren. Häufiger Konsum allein begründet keine psychische Störung. Auch Belastungen, die ausschließlich aus moralischer Missbilligung entstehen, reichen für die Diagnose einer zwanghaften sexuellen Verhaltensstörung nicht aus. Dies erläutert eine sexualmedizinische Fachübersicht von 2024 anhand der ICD-11-Kriterien. [3]
Einen möglichen Unterstützungsansatz untersuchte ein Forschungsteam in Südkorea. An seiner am 2. Oktober 2026 in Current Psychology veröffentlichten Pilotstudie nahmen 100 Erwachsene mit erhöhtem Risiko für zwanghaftes Sexualverhalten teil. Nach zufälliger Zuteilung erhielten 52 Personen ein vierwöchiges Messengerprogramm, 48 bildeten die Wartelistengruppe. Das Programm kombinierte psychologische Informationen, Übungen zum Selbstmitgefühl und individuelles Feedback. [2]
Im Vergleich zur Warteliste verbesserten sich das Selbstmitgefühl und bestimmte Aspekte des Umgangs mit Gefühlen. Bei der Schwere des zwanghaften Sexualverhaltens und der täglichen Dauer sexueller Aktivitäten zeigte sich hingegen kein nachweisbarer zusätzlicher Vorteil: Diese Werte gingen in beiden Gruppen zurück. Größere und längere Studien müssen klären, ob der Ansatz dauerhaft Verhaltensänderungen unterstützt. Untersucht wurde zwanghaftes Sexualverhalten allgemein, nicht ausschließlich Pornografiekonsum. [2]
Selbstmitgefühl beschreibt einen verständnisvollen Umgang mit eigenen Schwierigkeiten. Auf einen Veränderungsversuch übertragen könnte das heißen: „Ich nehme ernst, dass mir die Veränderung schwerfällt. Ich möchte verstehen, was passiert ist und welchen nächsten Schritt ich ausprobieren kann.“
PornoPause richtet sich an Erwachsene, die ihren Konsum reflektieren, reduzieren oder bewusst pausieren möchten. Aufklärung und Selbstbestimmung stehen dabei im Mittelpunkt. Die Studien liefern Anregungen für diese Auseinandersetzung; die Wirksamkeit der Programme von PornoPause wurde in ihnen nicht untersucht.
Wer anhaltende Kontrollprobleme oder erhebliche Belastungen erlebt, kann psychotherapeutische oder sexualmedizinische Unterstützung in Anspruch nehmen. Eine Beratung ist auch möglich, wenn noch Unsicherheit besteht, wie der eigene Konsum einzuordnen ist.
Quellen und weiterführende Links
Bildquelle: Marie Cederschiöld högskola – Pressebild von Linda Jonsson.


